Jahre lang machte ich mir Sorgen, dass es meinen Sohn Joe im Leben nur verletzen würde, wenn ich ihn in einer selbstsüchtigen Welt zu einem gütigen Menschen erziehe. Nach dem Tod meines Mannes lebten wir zu zweit neben Frau Whitaker, einer wohlhabenden, aber sehr zurückgezogenen älteren Witwe in einem großen Kolonialhaus. Während ihre eigenen erwachsenen Söhne, Richard und Daniel, an Feiertagen nur für wenige flüchtige Minuten vorbeikamen, bemerkte Joe ihre Einsamkeit. An einem regnerischen Nachmittag fand ich meinen siebzehnjährigen Sohn klitschnass vor, wie er ihren verrotteten Briefkastenpfosten reparierte, einfach weil es getan werden musste. Diese kleine Tat ungefragten Mitgefühls öffnete die Tür zu ihrem Haus, und Frau Whitaker lud uns auf einen Kakao ein, wobei sie Joe mit einer weichen, wissenden Wärme ansah, die ich damals nicht ganz deuten konnte.
Von diesem Tag an machte Joe das Helfen unserer einsamen Nachbarin zu einer täglichen Routine. Er schippte ihre verschneiten Gehwege, wechselte ihre Glühbirnen und las die Morgenzeitung laut vor, als ihre Hände zu sehr zitterten, um sie zu halten. Wir verbrachten die Feiertage zusammen, und sie hängte sogar einen Weihnachtsstrumpf für Joe auf, während sie unter Tränen erklärte, dass sie endlich eine Familie habe. Ihre leiblichen Söhne blieben völlig abwesend, abgesehen von einem kurzen Besuch, bei dem Richard uns entdeckte und meinen Sohn verbittert als Schmarotzer abtat, der auf ein Almosengeschenk aus sei. Einen Monat später schlief Frau Whitaker friedlich für immer ein, was Joe das Herz brach, doch die Geschichte nahm neun Tage später eine unerwartete Wendung, als wir eine formelle Einladung zur Verlesung ihres Testaments erhielten.
