Ein Junge verschwand 1991 von seiner Geburtstagsfeier und wurde 10 Jahre später von seiner Mutter auf einem Flohmarkt gefunden.
Ein Junge aus Pennsylvania verschwand 1991 spurlos von seiner eigenen Geburtstagsfeier. Seine Mutter hatte ihn mit den anderen Gästen spielen lassen, und als sie nach ihm sehen wollte, war er verschwunden. Doch zehn Jahre später entdeckte sie auf einem Flohmarkt etwas unheimlich Vertrautes auf einem Tisch – einen persönlichen Gegenstand ihres vermissten Sohnes, etwas, das sie nie wiedersehen sollte.
Die Nachmittagssonne warf lange Schatten auf die von Bäumen gesäumten Straßen von Maple Hollow, Pennsylvania. Es war einer dieser perfekten Septembertage, an denen sich die Blätter gerade erst zu verfärben begannen und die Vororte in warme Bernstein- und Goldtöne tauchten. Bekannt für seine weiß getünchten Mauern und saisonalen Märkte, hatte sich die Stadt ihren kleinstädtischen Charme bewahrt, der die Nachbarn dazu brachte, sich von ihren Veranden aus zuzuwinken. Ellen Whitmore saß in ihrem Wohnzimmer und starrte auf dieselbe Stelle an der Wand, an der einst ein Familienfoto gehangen hatte. Sie hatte es vor Jahren abgenommen, weil der Anblick von Nathans strahlendem Lächeln ihr mehr Schmerz bereitete, als sie ertragen konnte.
Die Glocke läutete und riss ihn aus seinen Tagträumen.
„Ella, hier ist Donna“, sagte ihre Freundin hinter der Tür. „Bist du bereit?“
Ellen öffnete die Tür, und ihre Freundin stand da, mit derselben Entschlossenheit, die sie die ganze Woche über gezeigt hatte. Donna drängte sie, das Haus zu verlassen, und schlug vor, zum Flohmarkt der Gemeinde Lavender Grove in Ash Hollow zu fahren, der nur vier Blocks entfernt war.
„Ich weiß nicht, ob ich dafür bereit bin“, sagte Ellen, aber sie griff schon nach ihrem Pullover.
„Du brauchst diese Auszeit“, sagte Donna sanft, aber bestimmt. „Es sind schon zehn Jahre vergangen, Ellen. So kannst du nicht mehr weiterleben.“
10 Jahre.
Die Worte hingen schwer und voller Emotionen in der Luft. Zehn Jahre waren vergangen, seit ihr achtjähriger Sohn Nathan von seiner eigenen Geburtstagsfeier verschwunden war. Der Fall war längst zu den Akten gelegt worden. Die Polizei hatte keine Spur, und Elaine lebte seither in ständiger Trauer und Angst.
„Ich habe Flohmärkte schon immer geliebt“, sagte er leise. „Sie sind wie Zeitkapseln. All diese alten Dinge erinnern mich an bessere Zeiten.“
Donnas Gesicht hellte sich auf. „Wir brauchen diesen Optimismus. Komm schon. Wann haben wir das letzte Mal etwas zusammen vor deinem Haus gemacht? Ich kann mich gar nicht erinnern.“
Auf dem Weg zu Donnas Auto bemerkte Elaine, dass sich die Gegend kaum verändert hatte. Dieselben Eichen säumten die Straßen. Dieselben Häuser mit ihren gepflegten Gärten standen noch immer da. Für alle anderen war die Zeit weitergegangen, aber für sie war sie an jenem schrecklichen Tag stehen geblieben.
Sie fuhren die kurze Strecke nach Ash Hollow, wo der Lavender Grove Community Market bereits voller Leben war. Es war ein Nachbarschaftsfest, bei dem Familien Tische auf Rasenflächen und in Einfahrten aufstellten, um ungeliebte Gegenstände loszuwerden.
„Schaut mal, wie groß das hier ist“, sagte Donna, als sie sich aufstellten. „Da muss ja die ganze Nachbarschaft drin sein.“
Sie schlenderten gemächlich durch den riesigen Markt und betrachteten die verschiedenen Auslagen. Alte Kleidung hing an provisorischen Regalen, gebrauchte Bücher lagen in Pappkartons, und Küchenutensilien aus vergangenen Jahrzehnten glänzten im Nachmittagslicht.
Eileen musste zugeben, dass sie erleichtert war, draußen zu sein. Die frische Luft, das Stimmengewirr um sie herum und die schiere Alltäglichkeit der Umgebung trugen alle zu einem seltsamen Gefühl von Frieden bei. Sie blieben an mehreren Tischen stehen, betrachteten die Auslagen und unterhielten sich kurz mit den Verkäufern.
Dann sah Eileen ihn.
Zuerst dachte er, seine Augen spielten ihm einen Streich. Auf einem der Tische, zwischen einem Stapel Kinderspielzeug und Büchern, fiel ihm etwas Blaues ins Auge. Er runzelte die Stirn und trat näher, sein Herz klopfte schneller. Es war ein Game Boy, dessen türkisfarbene Farbe sofort erkennbar war.
Aber es war nicht irgendein Game Boy.
Als er es mit zitternden Händen aufhob, sah er die drei Pokémon-Aufkleber: Pikachu in der Mitte und jeweils zwei an den Seiten.
„Nathan“, flüsterte sie, ihre Stimme stockte.
„Was ist los?“, fragte Donna, als sie die plötzliche Stille bemerkte.
„Das ist Nathans“, sagte Elaine mit zitternder, aber jetzt klarerer Stimme. „Das ist der Game Boy meines Sohnes. Sieh dir die Aufkleber an. Sie passen perfekt zusammen. Er liebte Pokémon.“
Erinnerungen überfluteten sie. Nathans Schulfreund hatte ihn ihm zum siebten Geburtstag geschenkt, im Jahr bevor er verschwand. Er hatte ihn überallhin mitgenommen, und Donna erinnerte sich an den täglichen Kampf, ihn davon abzuhalten, ihn mit in die Schule zu nehmen.
„Bist du sicher?“, fragte Donna sanft.